Theaterintendantin bezeichnet Polizisten als Faschisten

Polizeihauptmeister zeigt Karen Stone an /
Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung eingeleitet

Theaterintendantin bezeichnet Polizisten als Faschisten
Von Bernd Kaufholz

Magdeburg. Die Magdeburger Theaterintendantin Karen Stone hat in den frühen Morgenstunden des 5. Juni im Revierkommissariat Magdeburg-Süd einen Polizeihauptmeister “Nazi” und “Faschist” genannt und damit ein Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung provoziert. Das belegt ein dreiseitiger Aktenvermerk, der der Volksstimme vorliegt.

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Generalintendantin Karen Stone

Der Eklat ereignete sich nach der “Evita”-Premierenfeier. Die betrunkene 57-Jährige hatte sich im Kommissariat zuerst über “marode alkoholisierte Jugendliche” auf dem Fürstenwall beschwert, die Flaschen zerworfen hätten. Sie hätte befürchtet, dass sich ihr Hund an den Scherben verletzt.

Im weiteren Verlauf eskalierte die Situation und die Theaterchefin hielt einer Beamtin vor, dass sie “null Respekt” vor ihr habe. Trotzdem boten die Beamten der “Person des öffentlichen Lebens an”, sie nach Hause zu begleiten. Doch brachte das die Frau noch mehr auf. Sie kündigte an, bei Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) “die dämliche Inkompetenz” der Magdeburger Polizei zur Sprache zu bringen.

Inzwischen waren zwei übergeordnete Beamte vom Polizeirevier Magdeburg ins Kommissariat beordert worden. Karen Stone verlor nun völlig die Fassung und beschimpfte den Polizeihauptmeister gröblichst. Der Aktenvermerk: “Fuck you! Du bist ein Nazi! Du Faschist. Du und ihr von der Polizei, ihr seid alle nichts. Ich bin Engländerin. Ich stehe über allem. Ich bin Intendantin und du bist nichts!”

Karen Stone wollte sich gestern gegenüber der Volksstimme nicht zu dem Vorfall äußern.

Trümper, Dienstherr der Intendantin, war vom Polizeipräsidenten Wolfgang Mönckmeyer “in groben Zügen” über den Eklat informiert worden. Er äußerte sich auf Volksstimme-Nachfrage zuerst so, dass man Nachsicht haben müsse: “Ein bisschen zu viel getrunken, Premierenfeier …” Er habe mit Stone gesprochen und ihr geraten, die Lage zu entspannen, indem sie sich entschuldigt.

Doch nachdem Trümper gestern zum ersten Mal von den “Nazi”-Anwürfen hörte, sagte er: “Sollte sich das als wahr herausstellen, ist das nicht zu tolerieren.”

Hinter den Kulissen gibt es in der Polizeidirektion Nord (Magdeburg) gegenwärtig Versuche, die Sache ohne größeren Schaden für Stone zu regeln: Entschuldigung gegen Rücknahme der Anzeige. Da Beleidigung ein sogenanntes Anzeige-Delikt ist, könnte Stone mit einem blauen Auge davonkommen. Doch vorerst bleibt der beleidigte Beamte hart.

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Dokument erstellt am 12.06.2010 um 06:18:43 Uhr
Erscheinungsdatum 12.06.2010 | Ausgabe: titel

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