Archive for the ‘International’ Category
Amerikas Staatsfeinde 1 bis 4
Dienstag, März 2nd, 2010Amerikas Staatsfeinde 1 bis 4 - Jugendthriller „Little Brother“
Von Fridtjof Küchemann
02. März 2010 Es ist keine Frage der technischen Verfügbarkeit. Welche Informationen sich heute aus den Datenspuren der Telekommunikation gewinnen lassen, hat Frank Rieger gerade in der F.A.Z. erläutert (siehe auch: Vorratsdatenspeicherung: Du kannst dich nicht mehr verstecken). Der Einsatz dieser Technik ist umstritten: Gerade hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass eine seit 2008 geltende gesetzliche Regelung zur massenhaften Speicherung von Telefon- und Internetverbindungsdaten in Deutschland verfassungswidrig ist. Was passieren kann, wenn die staatlich legitimierte elektronische Überwachung zum Gebot der Stunde wird und selbst außer Kontrolle gerät, spielt Cory Doctorow in seinem Jugendthriller „Little Brother“ durch, der gerade in deutscher Übersetzung erschienen ist.
In dem Szenario, das der Blogger, Aktivist und Autor entwirft, erhält der amerikanische Heimatschutz nach einem Anschlag auf San Francisco in einem Patriot Act II Zugriff auf die Daten von Kartenzahlungen und auf die Daten, die von den Citymaut-Sendern in den Autos der Stadt empfangen werden. Der öffentliche Nahverkehr muss Tickets mit RFID, mit Funkchip, einsetzen. Flächendeckend werden Überwachungskameras installiert. Gesichtserkennungssoftware, deren Einsatz gegen simple Schulschwänzer gerade verboten worden war, wertet die Bilder aus. Alle Bürger mit auffälligen Bewegungsprofilen werden zur Rede gestellt.
Verhaftet, verschleppt, verhört, gepeinigt
Am Tag, als Terroristen die Bay Bridge in die Luft sprengten, hatte Marcus drei Freunde überredet, die Schule zu schwänzen, um die neue Aufgabe in einem übers Internet organisierten Orientierungswettspiel zu lösen: vier Siebzehnjährige, die ihre Neugier, ihr Wissen und ihre Kraft bislang zu wenig mehr verwendet hatten, als gelegentlich die elektronischen Kontrollsysteme ihrer Schulen zu überlisten. In der Panik nach dem Anschlag wird der junge Darryl verletzt, die vier suchen Hilfe und geraten an den Heimatschutz, der sie wie Verdächtige behandelt: Sie sind zur falschen Zeit am falschen Ort, haben auffälliges elektronisches Equipment dabei, werden verhaftet, verschleppt, verhört, gepeinigt. Als sie nach einigen Tagen freikommen, ist Darryl nicht dabei. Marcus beschließt zu kämpfen. Zuerst für den verletzten, vielleicht toten Freund. Und für die Freiheit. Für sein Land.
Weil sein Laptop manipuliert worden ist, hackt er eine X-Box, installiert das (bislang fiktive) Betriebssystem ParanoidLinux, das Überwachung unmöglich machen soll, verbreitet dieses Verfahren und entwickelt so ein Netz, dessen Kontrolle für den Heimatschutz kaum möglich ist. Er findet unter dem Namen M1k3y (gesprochen Mikey) Verbündete, die seine Idee begeistert aufgreifen, mit einem RFID-Kloner Marke Eigenbau die Daten von Passanten so durcheinanderzubringen, dass der Heimatschutz der Masse an Auffälligen nicht mehr Herr wird.
Etwas, das man sich nehmen muss
Natürlich rüstet der Heimatschutz auf und infiltriert das Xnet, jagt M1k3y und erwischt Marcus, der letztlich auf nahezu klassische Art gerettet wird. Dass Doctorow seinen Helden nicht nur von diesem ungleichen Kampf erzählen lässt, sondern vom Alltag eines aufgeweckten Digital Natives, von erster Liebe und anderen Teenagerthemen, gibt dem Roman Farbe und Fülle. Und ein Gegengewicht zu seinen ausführlichen datenschutz- und bürgerrechtlichen Diskussionen in Schule und Elternhaus, vor allem aber zu Erläuterungen und Exkursen vieler IT- und Hackerthemen, zur Kryptographie wie zum Domain-Name-Service-Protokoll oder, ganz praktisch, zu den Möglichkeiten, Handy-Identifikationen zu fälschen oder die Kamerakennung auf jedem digitalen Bild unkenntlich zu machen.
Cory Doctorow ist Mitherausgeber des populären Blogs „Boingboing“, Zeitungskolumnist, Verfasser einiger Cyberthriller und Vortragsreisender. Zuvor leitete der heute 38 Jahre alte gebürtige Kanadier in London vier Jahre lang das europäische Büro der Electronic Frontier Foundation, einer Organisation, die für Datenschutz und Selbstverteidigung gegen Überwachung eintritt. In seinem Roman stellt er auf einem von den Widerständlern organisierten Freiluftkonzert, dessen Besucher mit Tränengas und Schlagstöcken überwältigt werden, eine Veteranin vor die Jugendlichen auf die Bühne: „Ihr seid die erste Generation, die im GULag Amerika aufwächst“, ruft sie, „und ihr wisst auf den letzten gottverdammten Cent genau, was eure Freiheit wert ist!“ Sie selbst sei für diesen Kampf mit ihren zweiunddreißig Jahren zu alt, lasse ihre Freiheit beschneiden, statt zu begreifen, dass man sich seine Freiheit nehmen muss.
Dem Blick des Orwellschen „Big Brother“ standhalten
„Little Brother“, Doctorows erster Roman für Jugendliche, liest sich auch als Weckruf: für alle, die glauben, nichts zu verbergen zu haben, und für unbedachte Eigendatenschleudern in sozialen Netzwerken. Mehr als das: Er liest sich als Handlungsanleitung. Und seine Leser handeln, oft zur Begeisterung des Autors, unter einer Creative-Commons-Lizenz, die das Buch im Internet frei zugänglich macht und zu seiner Bearbeitung einlädt: In einer Wiki-Version des Buches können Fans Kommentare absetzen. In der Google Group „Watching Back“ tauschen sich Jugendliche über Freiheit in der elektronischen Welt aus - ganz im Sinne des „Little Brother“, der dem Blick des Orwellschen „Big Brother“ standhält. Eine Website erklärt die im Buch angeführten Tricks, Überwachung zu erkennen und zu verhindern, Programmierer wollen ParanoidLinux Wirklichkeit werden lassen, es gibt zahllose nichtkommerzielle Übersetzungen, allein in vier burmesische Sprachen.
Christian Wöhrl, der schon im Juni vergangenen Jahres eine eigene deutsche Übersetzung des Romans ins Netz gestellt hat, spricht von mehr als 140.000 Abrufen seiner PDF-Datei. Was heißt das für das gedruckte Buch, das jetzt bei Rowohlt erscheint (512 S., br., 14,95 €)? Cory Doctorow ist überzeugt, dass die freie Verbreitung im Internet den Verkaufszahlen seines Buchs nicht schadet. Und genutzt hat Wöhrls Arbeit zumindest einem: Uwe-Michael Gutzschhahn, der das Buch für den Verlag aus dem Englischen übertragen hat, war froh, bei all den Fachbegriffen nachschauen zu können, wie der Amateurkollege aus dem Internet sie übersetzt hat.
Verdammt in alle Ewigkeit
Sonntag, September 20th, 2009USA: Umgang mit Sexualstraftätern
Verdammt in alle Ewigkeit
20.09.2009 9:58 Uhr. Amerikas Gesetze für Sexualdelikte erklären verliebte Teenies zu Verbrechern. Die Konsequenz: Drakonische Strafen und Auflagen, elektronische Überwachung per GPS, Veröffentlichung aller persönlichen Daten im Internet - und Obdachlosigkeit unter Autobahnbrücken.
Eine Reportage aus Miami von Jörg Häntzschel
Was genau der 21-jährige Freddy Bravo vor drei Jahren getan hat, ist heute schwer herauszufinden. Er war 18, soviel ist klar. Und seine Freundin war erst 12. Er nahm das Angebot der Staatsanwaltschaft an, bekannte sich schuldig, ihre “Brüste, Geschlechtsbereich, Gesäß oder die diese bedeckenden Kleider auf unzüchtige Weise berührt” zu haben.
Ein Großteil aller Kriminalfälle wird vor amerikanischen Gerichten inzwischen mit solchen “Plea Bargains” entschieden. Wer sich schuldig bekennt, bekommt niedrigere Strafen und muss sich keinem langen Prozess unterziehen, den er mit einem Pflichtverteidiger sowieso nicht gewinnen würde.
13 Monate verbrachte Freddy Bravo im Gefängnis. Nun muss er auf Jahre eine elektronische Fußfessel tragen; sich einmal im Monat bei seinem Bewährungshelfer melden; einmal im Monat einen Drogentest machen; jeden Samstag einen Kurs bei einer Psychologin besuchen; sich einmal im Jahr einem Test mit einem Lügendetektor unterziehen - und für all das selbst bezahlen.
Leben unter der Autobahnbrücke
Er darf den Landkreis nicht verlassen, darf sich Gruppen von Kindern nicht nähern und durfte anfangs selbst mit seinem 11-jährigen Bruder nur dann zusammen sein, solange die Mutter Sichtkontakt zu ihm hatte. Er muss jedem Arbeitgeber und jedem Vermieter mitteilen, dass er verurteilter Sexualstraftäter ist. Doch dass er auf unbegrenzte Zeit unter einer Autobahnbrücke leben werden müsse, damit hatte er nicht gerechnet.
Nach Monaten, die er mit 60 anderen Sexualtätern in einem Raum verbracht hatte, schlief er eine einzige Nacht in seinem eigenen Bett. Am nächsten Morgen kam der Bewährungshelfer und teilte dem Jungen mit, er müsse “unter die Brücke” ziehen - in das Camp auf einer Insel unter dem Julia Tuttle Causeway, dem Bannort für Miamis Sexualstraftäter.
Der Tuttle Causeway ist eine sechsspurige Schnellstraße, die Miami mit dem vorgelagerten Miami Beach verbindet. Hat man, von der Stadt kommend, die erste langgestreckte Brücke passiert, sieht man sie auch schon, die bunten Zelte, die auf der schmalen Insel zu beiden Seiten der Straße stehen. Findet man die Lücke in der Leitplanke, fährt man auf einem Schlammweg zur Zeltstadt.
Leben wie Hunde
Manche der zur Zeit rund 60 Bewohner kampieren zwischen Büschen neben der Brücke. Andere haben Hütten gebaut, mit Türen, die sie im Müll gefunden haben. Wieder andere haben ihren Platz oben direkt unter der Ausfahrtsrampe gefunden. In ihren Betonhöhlen hängen Spiegel, Kleider trocknen an der Leine, einige haben sogar eine Herdplatte.
Vorrang der Öffentlichkeit
Leben wie Hunde: “Wenn wir keinen Mund zum Sprechen hätten, würden sie uns bellen lassen”, sagt der 31-jährige Juan Martin, den sie Rocky nennen. Ohne Wasser und ohne Strom, ohne Heizung und ohne Essen. Wer aufs Klo muss, sucht sich einen Platz im Gebüsch. Dass die Ratten das Camp nicht längst überrannt haben, ist nur den wilden Katzen zu verdanken, die einem bei jedem Schritt um die Beinen streichen.
Während viele apathisch in ihren Zelten liegen oder stundenlang die Angel ins braune Wasser halten, trabt Rocky, der hier Boss und Sprecher ist, mit seinen nackten Füßen unermüdlich auf und ab. Er zerlegt ein Zelt und baut es ein paar Meter weiter wieder auf. Er schleppt säckeweise Müll nach oben an die Leitplanke, in der Hoffnung, dass ihn dort jemand mitnimmt. Während seiner Monologe rudert er mit den Armen, wiegt hin und her. Der Kopf allein reicht nicht, der ganze Körper ist damit beschäftigt, zu verstehen, was hier passiert.
Law-and-Order-Welle
Als Mitte der neunziger Jahre nach Jahren eskalierender Gewalt die große Law-and-Order-Welle über das Land rollte, entdeckten viele Politiker, dass schwere Strafen für Sexualverbrecher Wahlerfolge garantieren. Lawinenartig verschärfte man die Gesetze, angefangen mit einer drastischen Ausweitung der Kriterien für Sexualdelikte.
In fünf Bundesstaaten zählt Sex mit einer Prostitutierten dazu, in 13 das Pinkeln in der Öffentlichkeit; in 29 Staaten Sex unter Minderjährigen, selbst wenn er einvernehmlich geschah, ganz zu schweigen vom Sex zwischen einer 18-Jährigen und einem 17-Jährigen, der Konstellation, die in der Debatte “Romeo und Julia” genannt wird.
Doch es blieb nicht bei der Kriminalisierung von harmlosen Taten, die nun Vergewaltigung und Kindesmißbrauch gleichgestellt waren. Nach und nach führten die Bundesstaaten eine juristische Sonderbehandlung der “Sex Offenders” ein, die deren Rechte auch nach der Haft radikal einschränkt. Sie müssen sich über Jahrzehnte, in 17 Bundesstaaten sogar bis ans Ende ihres Lebens öffentlich registrieren lassen.
Ab 2010 sind diese Datenbanken in allen Bundesstaaten vorgeschrieben. Und weil immer mehr Taten als Sexualdelikte geahndet werden, fallen immer mehr Menschen unter die Registrierungspflicht. So wächst die Zahl der registrierten Sexualstraftäter explosionsartig. 674 000 waren es im letzten Jahr. Kinderschänder und mehrfache Vergewaltiger sind darunter ebenso wie verliebte 19-jährige Mädchen.
Die meisten Staaten veröffentlichen Adresse, Alter, Delikt und ein Foto des Verurteilten im Internet. Doch damit nicht genug. Etliche Bundesstaaten verlangen, dass Sexualstraftäter weiter als 300 Meter von Schulen, Parks, Kindergärten und Bushaltestellen entfernt wohnen müssen.
In Miami, wo man das nicht für ausreichend hielt, legte man einen Mindestabstand von 2500 Fuß fest, knapp 800 Meter. Und wegen dieser 800 Meter müssen Freddy Bravo, Juan Martin und die anderen nun unter der Brücke wohnen. Es stellte sich nämlich heraus, dass es wegen all dieser Auflagen im gesamten Landkreis Dade County praktisch keinen Ort mehr gibt, an dem sie legal wohnen dürften.
Die Menschen sind auf sich gestellt
Zuerst kampierten die Entlassenen auf dem Parkplatz des Gerichtsgebäudes. Dann fand einer von ihnen den Platz unter der Brücke. Okay, warum nicht, meinten die ratlosen Beamten und trugen “Julia Tuttle Causeway Under Bridge” auf den Ausweisen ein. Nun schicken die Beamten Freigelassene direkt unter die Brücke. Erzwungene Obdachlosigkeit ist damit de facto in den Katalog der Maßnahmen zur Verbrechensverhütung aufgenommen. Das Lager ist offiziell sanktioniert, doch an den Bedingungen dort hat sich nichts geändert. Ein paar Kirchen bringen gelegentlich Essen vorbei, ansonsten sind die Menschen dort auf sich gestellt.
Der Mann hinter der 2500-Fuß-Regel heißt Ron Book. Er ist Anwalt und mit einem Jahreseinkommen von acht Millionen Dollar Miamis bestbezahlter Lobbyist. Er ist seit 16 Jahren Chef der Obdachlosenbehörde des Landkreises Dade County. Seit seine Tochter vergewaltigt wurde, führt er einen passionierten Kreuzzug für den Schutz von Kindern an. Was das Camp angeht, spielt er eine schizophrene Doppelrolle: Mit seiner Kampagne für die Wohnsitz-Restriktionen hat er die Sexualstraftäter zu Obdachlosen gemacht. Als Herr der Obdachlosenbehörde entscheidet er, was mit ihnen passiert.
Book, ein Polterer mit kurz geschorenem Vollbart, der in dem teuren italienischen Restaurant rundum Hände schüttelt und Schultern klopft, weist jede Schuld weit von sich. “Ich habe die Leute nicht dorthin geschickt. Die Justiz war einfach zu faul, ihnen Wohnraum zu beschaffen.” Nicht dass er die Situation beschönigen würde: “Es ist wie in der Dritten Welt, es ist ekelhaft. Das Lager muss geschlossen werden.”
Aber nicht aus Mitleid. “Jedes dritte Mädchen, jeder sechste Junge in den USA wird sexuell missbraucht, bevor sie 18 sind. 39 Millionen Opfer von Kindesmissbrauch leben in den USA”, ruft er erregt. “Nein”, ruft er jetzt so laut, dass der Barmann erschrocken aufsieht, “Ich nenne sie Monster, weil sie Monster sind!”
Carlene Sawyer ist Chefin einer Stiftung für klassische Musik, doch als Präsidentin der American Civil Liberties Union (ACLU) in Miami ist sie zu einer der prominentesten Verteidigerinnen der Campbewohner geworden. So vollständig auch sie, selbst Mutter, die Angst von Eltern um ihre Kinder versteht - “eine der Urängste des Menschen, es hat wohl mit dem Kampf für das Überleben der Gattung zu tun” - so entschieden lehnt sie, wie die meisten Strafrechtler und Soziologen, die drakonische Verfolgung der Sexualstraftäter ab.
“94 Prozent aller Kindesmisshandlungen finden im Haus der Eltern statt. In 50 Prozent der Fälle sind Eltern, Geschwister oder Stiefeltern die Täter, in den übrigen 44 Prozent sind es Freunde, Angestellte oder andere Familienangehörige.”
Genau wie im Fall von Ron Books Tochter, die über Jahre vom Kindermädchen missbraucht wurde, ohne dass es dem Vater auffiel. Dagegen helfen auch die schärfsten “residence restrictions” nicht, wie die gesetzlichen Wohnortbeschränkungen heißen.
Unerwünschte Effekte
Das andere Problem der gegenwärtigen “Sex Laws” ist, so Sawyer, die pauschale Brandmarkung der “Sex Offenders”: “Ein 19-Jähriger, der mit seiner 15-jährigen Freundin schläft und von deren Eltern bei der Polizei angeschwärzt wird, weil sie etwas gegen ihn haben, wird genau so behandelt wie ein 30-Jähriger, der einen Achtjährigen vergewaltigt hat.” Die “residence restrictions” haben noch andere unerwünschte Effekte. Sie konzentrieren Sexualstraftäter an isolierten Orten, weit entfernt von sozialer Kontrolle. Und sie ersticken, indem sie den Täter zum Outlaw auf Lebenszeit erklären, dessen natürliches
Verantwortungsgefühl für die Gesellschaft.
Kurz: Wer bei seiner Verurteilung kein Monster war, wird es an Orten wie dem Camp unter der Brücke. Denn ohnehin wird ja, zumindest in Florida, jeder Sexualstraftäter vor seiner Entlassung auf seine Gefährlichkeit hin untersucht. Wer eine Gefahr für seine Umgebung darstellt, bleibt weiterhin inhaftiert. Dieselbe Justiz, die einen Täter also als ungefährlich genug einstuft, um ihn aus der Haft zu entlassen, behandelt ihn bis an sein Lebensende wie eine Zeitbombe.
Es ist dunkel geworden, ein Auto nach dem anderen rumpelt durch die Pfützen heran. Wer nicht bis 22 Uhr, wenn die Ausgangssperre beginnt, an seinem Wohnort, der Brücke, eingetroffen ist, riskiert, auf Jahre zurück ins Gefängnis zu gehen. Nur zwei, drei Birnen unter dem großen, vibrierenden Betondach werfen ein bisschen Licht. In ihrem Wohnmobil sieht man die einzige Frau im Camp in ihrer Küche hantieren.
Unendliche Serie von Erniedrigungen
Durch die Tür seiner winzigen Hütte sind, beschienen vom Fernseher, die knochigen Beine von Patrick Weise, dem 48-jährigen Koch ohne Zähne, zu sehen. Einige schlafen schon auf den heruntergeklappten Sitzen ihrer Autos. Doch die meisten der 50 Menschen, die hier jede Nacht verbringen, bleiben von den Schatten verschluckt.
Auch Freddy und sein wie er aus Kuba stammender, drei Jahre älterer Cousin Elui Martinez sind eingetroffen. Freddy war 21, seine Freundin 15. Vor dem Gesetz ist er ein Kinderschänder, auch wenn ihn seine Freundin liebte, wie er sagt. Geplagt von der Angst, zu spät zu kommen, brechen sie jeden Abend schon um neun von ihren Freundinnen und ihren Familien auf. Jetzt stehen sie schüchtern vor ihrem Auto. Erst tun sie so, als sprächen sie kein Englisch. Doch dann sprudelt es aus ihnen heraus.
Sie vermissen ihre Neffen, sagen sie, würden wenigstens Weihnachten gerne zu Hause verbringen, mal auf eine Party gehen. Und sie zeigen die elektronische Fessel an ihren Beinen und das GPS-Gerät, das sie am Gürtel tragen müssen. Die “box” macht sie wahnsinnig, sagen sie, weil sie schon dann piepst, wenn der Satellit sie einen Moment lang aus den Augen verliert: “Gehen Sie SOFORT nach Hause” heißt es dann auf dem Display. Und: “Melden Sie sich UMGEHEND per Telefon”. Und sie müssen jedesmal reagieren.
“Nicht einmal schwimmen können wir mehr gehen”, sagen sie, weil die Fußfessel ab einem Meter Wassertiefe das Signal verliert. So reden sie und reden, um nur nicht das sagen zu müssen, was man ihren entsetzten Gesichtern ablesen kann: Sie werden ihr Leben inmitten eines freien und strahlenden Landes als eine unendliche Serie von Erniedrigungen leben müssen. Und sie werden nie verstehen, warum.
Copyright © sueddeutsche.de GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Der ganze Artikel: hier!
Carbon Motors E7 Panzer für die Polizei
Mittwoch, November 12th, 2008Diesem Einsatzwagen wird kein Gauner entkommen!
US-Hersteller Carbon Motors stellte den neuen Ganovenschreck E7 jetzt auf einer Polizeimesse in San Diego (US-Bundesstaat Kalifornien) vor.
Mit allem drin, was ein Sheriff braucht: Nachtsichtgerät, automatischem Kennzeichenleser, schusssicherer Panzerung. Rundum flackern grelle Signallichter wie bei KITT aus Knight Rider.
Außerdem an Bord: etliche Waffenhalterungen und eine brutal laute Tiefbass-Sirene. Man muss schließlich mit den Gangstern mithalten können.
Nachts macht eine Infrarotkamera die Umgebung sichtbar, per Fernbedienung startet der Motor. Der 305-PS-Diesel beschleunigt den 5,10 Meter langen E7 in 6,5 Sekunden auf 100 km/h.
Carbon Motors freut sich auf ein dickes Geschäft: Jedes Jahr gehen 75 000 US-Streifenwagen neu in den Dienst.
Der neue E7 soll nicht nur viel cooler werden als die aktuellen Modelle (Chevy Impala, Ford Crown Victoria) – sondern auch billiger.
Quelle: Internet
Liechensteins Fürst nennt BRD “Viertes Reich”
Donnerstag, September 11th, 2008Steuerskandal und die Folgen
Eklat um Hans-Adam II.: In einem Brief an das Jüdische Museum in Berlin hat der Fürst aus Liechtenstein Deutschland als “Viertes Reich” bezeichnet. Der Zentralrat der Juden ist entsetzt.
Der Fürst von Liechtenstein, Hans-Adam II., hat Deutschland scharf angegriffen und von einem “Vierten Reich” gesprochen. Liechtenstein habe in den letzten 200 Jahren schon “drei Deutsche Reiche” überlebt. Es hoffe, auch noch das vierte Reich zu überleben, schrieb der Fürst in einem Brief an den Präsidenten des Jüdischen Museums Berlin, Michael Blumenthal. Das berichtet der Tages-Anzeiger aus Zürich. Blumenthal, der 1939 vor den Nationalsozialisten aus Berlin flüchten musste, möchte sich laut Tages-Anzeiger bislang nicht äußern.
Mit seinem Schreiben, das auf den 24. Juni datiert ist, habe der Fürst begründet, warum Liechtenstein keine Leihgaben mehr aus der eigenen Kunstsammlung nach Deutschland bringe. Liechtenstein wolle seine Kunstwerke nicht dem Risiko einer selektiven Anwendung des Rechtsstaats in der Bundesrepublik Deutschland aussetzen, schreibt der Fürst in seinem Brief. Das Jüdische Museum hatte sich für eine Ausstellung zum Thema “Raub und Restitution” für ein Gemälde aus der fürstlichen Sammlung interessiert.
Die Bundesrepublik Deutschland sei in ihren Beziehungen zum Fürstentum Liechtenstein je länger desto weniger geneigt, sich an den Grundprinzipien des internationalen Völkerrechts zu orientieren. Der Fürst verwies auf die Weigerung Deutschlands, ein Gemälde zu beschlagnahmen und herauszugeben, das nach dem Zweiten Weltkrieg in der damaligen Tschechoslowakei konfisziert worden war.
Die Beziehungen zwischen Deutschland und Liechtenstein hätten in den vergangenen 200 Jahren einer Berg- und Talfahrt geglichen. Mit dem zweiten Deutschen Reich befinde sich Liechtenstein noch immer im Kriegszustand, da dieses untergegangen sei, bevor es mit dem Fürstentum habe Frieden schließen können, heißt es in dem Brief laut Tages-Anzeiger weiter.
Das Dritte Reich, die Zeit der nationalsozialistischen Regierung zwischen 1933 und 1945, sei Gott sei Dank untergegangen, bevor es seine Drohung habe in die Tat umsetzen können, das Fürstentum Liechtenstein anzuschließen. Was die Beziehungen zu Deutschland angehe, warte das Füstentum auf bessere Zeiten.
Für großen Unmut hatte vor wenigen Monaten in Liechtenstein die deutsche Steuerfahndung im Fürstentum gesorgt. Dabei kaufe der Bundesnachrichtendienst einem ehemaligen Angestellten der dem Liechtensteiner Fürstenhaus gehörenden LGT-Bankengruppe vertrauliche Kundendaten ab. Diese werden nun in Deutschland für Verfahren gegen Steuerhinterzieher verwendet, die ihr Vermögen in Liechtenstein vor dem Finanzamt verstecken wollten.
Diplomatische Antwort aus dem Außenministerium
Das Auswärtige Amt in Berlin äußerte sich im Tages-Anzeiger zu den Vorwürfen im fürstlichen Schreiben: “Die Bundesrepublik Deutschland respektiert das Völkerrecht und internationale Rechtsnormen - selbstverständlich auch in Bezug auf Liechtenstein.” Die bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Ländern seien “eng und gut nachbarschaftlich”.
Deutlicher äußerte sich Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, im Gespräch mit der Schweizer Zeitung. “Die Aussage des Fürsten ist völlig abwegig.” Korn sagte, er verstehe zwar, dass der Fürst wegen der Methoden der deutschen Steuerfahnder ungehalten sei. Doch dieser Ärger berechtige Hans-Adam noch lange nicht zu solchen Aussagen.
Zentralrat der Juden fordert Entschuldigung
Korn wird mit den Worten zitiert: “Der Fürst verharmlost die Verbrechen der Nationalsozialisten, indem er die Bundesrepublik in eine Reihe mit dem Dritten Reich stellt.” Der Zentralrat erwarte vom Hans Adam II. eine Entschuldigung beim Direktor des Jüdischen Museums, der im übrigen der falsche Ansprechpartner sei.
Die Äußerung des Fürsten ist nicht die erste Der Fürst hatte sich im Frühjahr beim Staatssender Radio Liechtenstein über “einen gezielten und sorgfältigst vorbereiteten Angriff” des deutschen Geheimdienstes auf sein Land beklagt.
Quelle: Internet
Zweifel an der Schuld von El Kaida
Donnerstag, September 11th, 2008Sieben Jahre nach den Terroranschlägen von New York und Washington erinnert Amerika mit Schweigeminuten an das 9-11-Trauma, selbst der Wahlkampf ruht. Doch weltweit zweifeln viele Menschen an der Schuld von El Kaida.
Sieben Jahre nach den Anschlägen ist Ground Zero eine Großbaustelle
Mit einer landesweiten Schweigeminute wird in den USA an die Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001 erinnert. Bei den Flugzeuganschlägen islamistischer Terroristen waren fast 3000 Menschen ums Leben gekommen. Zum siebten Jahrestag soll am Pentagon in Washington die erste nationale Gedenkstätte für die Opfer eingeweiht werden. Hier starben 184 Menschen, als eines der entführten Flugzeuge auf das US-Verteidigungsministerium stürzte.
Die Schweigeminute soll um 08.45 Uhr (Ortszeit) beginnen, dem Zeitpunkt, als die Terroristen zwei Passagierflugzeuge in die Türme des World Trade Centers in New York steuerten. In New York findet die Gedenkfeier in der Nähe des Ground Zero statt, dem Platz, an dem einst die Zwillingstürme des World Trade Center standen. Bei der fast vierstündigen Zeremonie werden die Namen der 2751 Opfer verlesen, die unter den Trümmern der beiden Hochhäuser begraben wurden.
McCain und Obama setzen Kampagne aus
Die beiden Kandidaten für die bevorstehende Präsidentschaftswahl, Barack Obama und John McCain, unterbrechen für den 11. September ihren Wahlkampf. „Am 11. September (2001) sind wir alle zusammengekommen, nicht als Demokraten oder Republikaner, sondern als Amerikaner“, erklärten McCain und Obama in einem gemeinsamen Statement. „Am Donnerstag wollen wir die Politik beiseiteschieben und diese Einigkeit erneuern.“ Die beiden Politiker wollen am Abend gemeinsam an einer Gedenkveranstaltung in der Columbia Universität in New York teilnehmen.
Unterdessen bedauerte New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg den schleppenden Wiederaufbau am Ground Zero. „Die Fortschritte bei der Neuentwicklung des World Trade Center sind frustrierend langsam“, schrieb Bloomberg in einem Beitrag für das „Wall Street Journal“. Die vielschichtigen Verwaltungsstrukturen hätten die Verantwortlichkeiten verwässert. Erst in dieser Woche wurden die ersten Stahlträger für den geplanten Freedom Tower und ein Mahnmal in den Boden eingelassen. Die Stadtverwaltung, der Bundesstaat New York und die Behörde, die Eigentümer des Geländes sei, müssten ihre Arbeit beschleunigen, forderte Bloomberg. „Das wichtigste ist, dass das Mahnmal zum zehnten Jahrestag fertig ist.“
Viele Länder geben USA eine Mitschuld
In der Schuldfrage gibt es einer neuen Studie zufolge weltweit immer noch viele Zweifler. Nur in 9 von 17 Ländern ist eine Mehrheit davon überzeugt, dass die islamistische Terrororganisation El Kaida die Anschläge verübte, ergab eine Umfrage von WorldPublicOpinion. Auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern äußerte ein hoher Anteil von Befragten Zweifel. So hätten in Deutschland immerhin 23 Prozent auf eine US-Schuld hingedeutet, hieß es. 64 Prozent waren in Deutschland jedoch davon überzeugt, dass El-Kaida-Terroristen im Auftrag Osama bin Ladens die Anschläge verübten.
Vor allem im Nahen Osten machten viele Befragte die USA oder Israel für die Anschläge verantwortlich. In Ägypten etwa sahen 43 Prozent Israel hinter den Anschlägen, in der Türkei gaben 36 Prozent der US-Regierung die Schuld. Für die Umfrage wurden mehr als 16 000 Menschen in 17 Ländern befragt.
Quelle: Internet


