Affäre Deppe hat Konsequenzen auf hohen Ministerialbeamten
Innenminister feuert den Chef der Polizeiabteilung
Von Bernd Kaufholz
10.03.2010 - Magdeburg. Innenminister Holger Hövelmann (SPD) hat gestern mit sofortiger Wirkung den Chef der Polizeiabteilung seines Ministeriums versetzt.

(Holger Hövelmann)
Klaus-Dieter Liebau, der durch sein knallhartes Auftreten in Polizeikreisen kaum Freunde hatte, übernimmt die Abteilung 4, ein Abteilungsleiterposten weitab von Polizeiaufgaben, ein “Sammelsurium” von Zuständigkeiten, wie es aus dem Innenministerium heißt. Die Abteilung ist unter anderem für Datenschutz, Ausländerangelegenheiten, Geoinformationen und Gedenkstätten zuständig.
Für Liebau übernimmt Landespolizeichef Rolf-Peter Wachholz kommissarisch die Polizeiabteilung. Ausgelöst hat diese – wie es heißt “Strafversetzung” – die Affäre Deppe. Im Zusammenhang mit den staatsanwaltlichen Ermittlungen war ans Licht gekommen, dass Liebau die finanziellen Probleme des inzwischen angeklagten Vize-Polizeipräsidenten der Polizeidirektion Nord gedeckelt hatte. So soll der “Nebenminister”, wie er hinter vorgehaltener Hand genannt wird, Unterlagen über Personalgespräche zur Finanzsituation des völlig überschuldeten Leitenden Kriminaldirektors in seinem Safe verschlossen und nicht den Personalakten zugefügt haben.
Hintergrund der Kungelei soll gewesen sein, dass Deppe als Polizeipräsident von Dessau-Roßlau aufgebaut werden sollte.
Nach einem Bericht der Volksstimme am Sonnabend hatte sich Hövelmann gestern Vormittag per Kurier die entsprechenden Unterlagen der Magdeburger Staatsanwaltschaft zustellen lassen. Darunter waren auch die Aussagen zum Gebaren Liebaus. Meinung I
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Dokument erstellt am 10.03.2010 um 05:51:54 Uhr
Erscheinungsdatum 10.03.2010 | Ausgabe: mdx
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Unterlagen über Geldnot eines hohen Polizeibeamten verschwanden im Safe
Situation des Polizei-Vize war Innenministerium lange bekannt
Von Bernd Kaufholz
Der Korruptionsvorwurf bezieht sich auf die “PD-Nachrichten”. Deppe soll den Druckauftrag seinem “Finanzberater” zugeschanzt haben.

(Klaus-Peter Deppe)
06.03.2010 Magdeburg. Die Vorwürfe gegen den suspendierten Vizepräsidenten der Polizeidirektion Nord nehmen immer größere Dimensionen an. Wurde zuerst nur davon ausgegangen, dass Klaus Deppe mittels Betrugs sein leeres Portemonnaie auffüllen wollte, ermittelt die Magdeburger Staatsanwaltschaft nun auch wegen Bestechlichkeit und Untreue.
Bei den dieser Tage angeklagten Betrugsvorwürfen geht es um einen durch Fotomontage gefälschten Auszug des Grundbuchs zum Hause seiner Schwiegereltern. Das Gebäude war zu keiner Zeit sein Eigentum.
Aufgrund der drei Betrugsstraftaten, die Deppe einräumte, hatte er notariell eine Grundschuld auf das Haus bestellt. Pikant: Die Fälschung hatte Deppe mit seinem Dienstfax während der Dienstzeit, damals noch in der Polizeidirektion Halberstadt, verschickt. Ebenso wie ein unrichtiges Schreiben an eine Versicherung, das ihm ebenfalls Geld verschaffte.
Durch seine “Täuschungshandlungen” habe sich der Leitende Kriminaldirektor rund 25 000 Euro erschlichen. Die Bargeldübergabe soll konspirativ auf dem Parkplatz des ehemaligen Plus-Markts in der Halleschen Straße stattgefunden haben.
Die zutiefst schwarze finanzielle Situation des hohen Polizeibeamten war nach Volksstimme-Informationen auch seinem Dienstherrn, Innenministerium, bekannt – etwa seit 2003. Immer wieder sei Deppe einbestellt worden, um über seine Lage zu berichten. Genauso oft habe er seine Gesprächspartner hingehalten, indem er erklärte, dass seine Finanzlage auf dem Wege der Besserung sei.
Die hausinternen Gespräche wurden allerdings nicht der Personalakte des A 16-Beamten (mehr als 4000 Euro netto) beigefügt, sie verschwanden im Safe eines hohen Ministerialbeamten. Hintergrund für die schützende Hand des Innenministeriums soll gewesen sein, dass Deppe für den Polizeipräsidenten-Posten in Dessau-Roßlau vorgesehen war. Doch mit einer Fast-Privatinsolvenz wäre das unmöglich gewesen.
Offizielle Begründung, warum die Unterlagen im Safe verwahrt wurden, ist: Weil das Ministerium Deppe vor “nachteiligen Gerüchten bewahren” wollte.
Das Innenressort versetzte Deppe inzwischen auf einen “virtuellen Arbeitsplatz” bei der Bereitschaftspolizei. “Virtuell” deshalb, weil er ihn aufgrund seiner Suspendierung nicht antreten kann. Das Disziplinarverfahren ruht, weil das zu erwartende Gerichtsurteil solch ein Verfahren wahrscheinlich unnötig mache, heißt es. Trotz der Beurlaubung wurden dem Beamten bis heute monatlich lediglich ein paar hundert Euro Polizeizulage gestrichen, “um ihn nicht vollends in den finanziellen Abgrund stürzen zu lassen”.
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Dokument erstellt am 06.03.2010 um 05:48:53 Uhr
Erscheinungsdatum 06.03.2010 | Ausgabe: mdx
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Nach Anklage wegen Betrugs ermittelt Staatsanwaltschaft weiter
Bestechlichkeitsvorwurf gegen Polizei-Vizechef
Von Bernd Kaufholz
Die kriminellen Verstrickungen des beurlaubten Vizechefs der Polizeidirektion Nord in Magdeburg könnten umfangreicher als bisher angenommen sein. Neben dem Vorwurf des Betrugs im Zusammenhang mit gefälschten Dokumenten stehen gegen den völlig verschuldeten Leitenden Kriminaldirektor weitere Vorwürfe im Raum: Bestechlichkeit und Untreue.
06.03.2010 Magdeburg. Die Wirtschaftsabteilung der Staatsanwaltschaft Magdeburg hat inzwischen den zweiten Mann der Polizeidirektion Nord wegen Betrugs in drei Fällen beim Amtsgericht Magdeburg angeklagt. Klaus-Peter Deppe soll diese Straftaten im Zusammenhang mit einer Erbschaftsangelegenheit, das Haus seiner Schwiegereltern in Niedersachsen betreffend, begangen haben, um seine hohen Schulden zu begleichen.
Diese Überschuldung zog den 55-Jährigen möglicherweise noch tiefer als bisher vermutet in den kriminellen Sumpf. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in weiteren zwei Verfahren wegen Bestechlichkeit und Untreue.
So habe sich der Vize-Polizeipräsident an einen Mann aus Genthin (Jerichower Land) gewandt, der dort als “Finanzberater und Medienunternehmer” tätig war. Was Deppe bekannt gewesen sein dürfte ist die Tatsache, dass Christoph Z. nicht gerichtsunbekannt ist. Saß er doch zweieinhalb Jahre wegen Kfz-Schiebereien in Haft und gilt als der organisierten Kriminalität nahestehend. Z. sollte versuchen, die Finanzen Deppes zu regeln. Für seine Tätigkeit, Stundungen und Kreditzahlungen bei den Schuldnern zu erreichen, hat der Polizeibeamte nach Volksstimme-Informationen keinerlei Honorar gezahlt.
Die Staatsanwaltschaft geht nun davon aus, dass sich Deppe auf andere Weise revanchierte – möglicherweise mit der Druckvergabe für die “PD Nachrichten”, dem “Magazin für die Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord”, das vierteljährlich erscheint.
Der Versuch Deppes, seinem Vertrauten auch den Druckauftrag für 3500 Visitenkarten zuzuschanzen, konnte gerade noch vereitelt werden. Der Druck sollte 100 000 Euro kosten – 40 Euro pro Karte.
Dagegen mutet das andere Ermittlungsverfahren wegen Untreue eher geringfügig an. Deppe wird vorgeworfen, mit dem Dienstwagen nach Hause beziehungsweise zur Dienststelle gefahren zu sein, was nicht zulässig ist.
Sachsen-Anhalt I
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Dokument erstellt am 06.03.2010 um 05:48:52 Uhr
Erscheinungsdatum 06.03.2010 | Ausgabe: mdx
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Ermittlungsverfahren gegen Vize-Polizeipräsidenten
Finanzunterlagen in Genthin sichergestellt
Von Bernd Kaufholz
02.09.2009 Genthin. Hintergrund der Durchsuchung der alten Molkerei in Genthin (Jerichower Land) war, wie erst gestern bekannt wurde, das Ermittlungsverfahren gegen den Vizepräsidenten der Polizeidirektion Nord (Magdeburg), Klaus-Peter Deppe.
Rund 40 Beamte des Landeskriminalamts und der Landesbereitschaftspolizei hatten am vergangenen Dienstag das Gebäude durchsucht und diverse Akten sichergestellt. Darunter waren auch Papiere, die auf Kontakte zwischen Christoph Z., der sich als Finanzberater betätigt und dort sein Büro hat, und Deppe hinweisen.
Nach Volksstimme-Informationen handelt es sich “im weitesten Sinne um Finanzierungsverträge”, die allerdings nicht unterschrieben sind.
Inwieweit diese Papiere verfahrensrelevant sind, muss nun die Magdeburger Staatsanwaltschaft entscheiden, hieß es aus Ermittlerkreisen.
Der leitende Kriminaldirektor Deppe war Ende Juli vom Innenministerium vom Dienst freigestellt worden. Gleichzeitig wurde ein Disziplinarverfahren gegen den 55-Jährigen eingeleitet.
Ausgangspunkt der Ermittlungen gegen den Beamten war, dass Deppe die Unterschrift auf einem Grundbuchauszug gefälscht haben soll. Diese Tat, die bereits Jahre zurückliegen soll, stehe im Zusammenhang mit einer Erbschaftsangelegenheit in Bezug auf das Haus der Schwiegereltern in Niedersachsen. Deppe soll sich Geld geliehen und dem Geldverleiher als Sicherheit den manipulierten Auszug des Grundbuchamts Springe (Region Hannover) vorgelegt haben, der ihn als Alleineigentümer auswies, obwohl es eine Erbengemeinschaft gab.
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Dokument erstellt am 02.09.2009 um 06:00:50 Uhr
Erscheinungsdatum 02.09.2009 | Ausgabe: mdx
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